Glattbrugg

Glow Regionalkonferenz 2019

Glow-Regionalkonferenz vom 30. Oktober 2019

Gemeindepolitik: Wie gewinnt man die Jungen?

Wie schafft man es, jüngere Erwachsene auf kommunaler Ebene für ein politisches Amt zu begeistern? – Anlässlich der Regionalkonferenz des Gemeindeverbundes Glow. das Glattal in Wangen-Brüttisellen ging man am 30. Oktober 2019 dieser kniffligen Frage nach.

Boomtown hin oder her: auch in der Glow-Region ist es schwierig, junge Erwachsene ins politische Milizsystem einzubinden. Seit Jahren nimmt – vor allem bei der Bevölkerungsschicht bis 35 Jahren – die Beteiligungsbereitschaft in Schweizer Gemeinden stetig ab. Eine Studie der Fachhochschule Graubünden namens «Promo 35» diente am letzten Mittwoch im Gsellhof in Brüttisellen als analytische Grundlage, um nach Referat und Workshop die richtige Stossrichtung für Glow. das Glattal zu eruieren.

«Grosses Thema in den Gemeinden»

André Ingold, Dübendorfer Stadt- und Glow-Präsident, meinte in seiner kurzen Begrüssungsrede zu den rund 30 Glow-Vertretern aus Verwaltung und Behörden: «In unseren Städten und Gemeinden ist dieser Mangel an jungen Politikerinnen und Politikern schon lange ein grosses Thema. Auch in der Wirtschaft ist heute ein Mitwirken am politischen Milizsystem fast schon ein Hindernis, um Karriere machen zu können – einige Ausnahmen ausgenommen», räumte Ingold ein, bevor er Dario Wellinger vorstellte. Dieser ist mit Curdin Derungs Co-Autor der nationalen 40-seitigen Studie «Promo 35» und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Verwaltungsmanagement. Er beschäftigt sich in Forschung und Lehre mit Themen der Miliztätigkeit und Verwaltungsführung.

Viel Arbeit – wenig Ansehen und Lohn

Junge Erwachsene seien in der Gemeindeexekutive stark untervertreten. «Der Anteil der unter 35-Jährigen beträgt in der Schweiz nur etwas über fünf Prozent. Weil meist viel Arbeit, dafür wenig Ansehen und Lohn mit der Gemeindepolitik verbunden wird, sagen viele ‚Nein Danke‘. Und zwar nicht nur junge Leute», präzisierte Wellinger, bevor er das Rekrutierungspotenzial unter die Lupe nahm. Dazu hätte ihre Umfragen ergeben, dass die Jungen sich durchaus vorstellen könnten, in einem Team die politische Zukunft mitzugestalten. Aber direkt angefragt würden nur die wenigsten.

In der Folge entwickelte sich zu diesem Punkt eine interessante Diskussion in der Glow-Runde. Gerade die Vertreter der grösseren Gemeinden und Städte verwiesen auf die Rekrutierungsarbeit ihrer Parteien. Da würden direkt vorgenommene Anfragen – vor allem seitens der Verwaltungen – gar nicht gut ankommen und als ungerechtfertigte Intervention gedeutet.

Gemeindeämter reformbedürftig

Die Studienergebnisse hätten aufgezeigt, dass die Gemeindeämter reformbedürftig seien, so Dario Wellinger weiter. Effizientere Sitzungen und Arbeitsprozesse seien anzustreben sowie moderne Kommunikationsformen – wie zum Beispiel per Skype durchgeführte Meetings – in Erwägung zu ziehen. Einfach um den zeitlichen Aufwand für so ein Amt zu begrenzen. Als geeignete Massnahmen würden laut Studienumfragen zudem die Erhöhung der finanziellen Entschädigung sowie Hilfe im vorausgehenden Wahlprozess genannt.

Aktiv in den Workshops

Produktiv gestaltete sich die abschliessende Zusammenarbeit in kleinen Workshop-Gruppen. Die Glow-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer hielten mögliche Ideen fest, um junge Erwachsene künftig für ein Engagement in der hiesigen Gemeindepolitik motivieren zu können. Da kamen viele erfolgsversprechende Vorgehensweisen an den Tag, um dem Politikverdruss entgegen zu wirken. Aber zum Schluss waren sich alle einig, dass der Weg zu verjüngten Gremien auch im Glattal noch ein langer sein wird.

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